Die Tage danach..

Seit dem 14.8 bin ich nun wieder Zuhause. Mein Jahr in Beit Uri scheint seit dem ich in den Flieger eingestiegen bin so unglaublich weit entfernt, fast ein bisschen wie ein Traum. Der Fakt, dass keiner meiner Freunde meine Erlebnisse teilt stärkt dieses Gefühl umso mehr.
Der letzte Tag war nicht so schlimm wie erwartet, sich von meinen Membern und Kollegen zu verabschieden war kein Problem – es hat sich angefühlt als wäre es nur bis morgen. Aber sich von meinen Mitvolontären zu trennen war unvorstellbar. Sie noch ein letztes Mal zu halten und zu wissen, dass es wirklich das Ende ist. Das Ende einer Ära, die uns alle mitgenommen hat, wir unbegreifliche Erinnerungen teilen, die Menschen sein konnten die wir sind oder gerne sein wollen, in der wir was riskieren konnten,  in der wir uns entwickelt haben –  das beste Jahr unseres Lebens. Nur wir, die wir über unsere Erfahrungen und Insider lachen können. Und – zack, boom – ist es vorbei. Ohne Vorwarnung und ohne Gebrauchsanweisung.
Ich vermisse die Momente mit meinen Membern, Menschen die ehrlich sind – so ehrlich, dass es manchmal weh tut – die aus vollem Herzen lachen und sich freuen einen zu sehen, Menschen die  kaum unterschiedlicher sein könnten, und einen bedingungslos lieben – das steht fest, auch wenn es jeder anders zeigt –  Menschen die man bedingungslos liebt, auch wenn sie nicht perfekt sind.
Es fühlt sich nicht richtig an diese Menschen verlassen zu haben und sich der brutalen Realität in Deutschland zu stellen, dem Studium, seinen Verpflichtungen und immer der gleiche Smalltalk: ,,na wie wars?“ ,,und was hast du gearbeitet? hats dir gefallen?“ – falls es überhaupt interessiert. Keine erdenkliche Antwort dieser Welt könnte dieses ganze Jahr, mein Leben in Israel, meine Existenz, meine Erfahrungen, meine Freunde, meine Liebe zur Arbeit, den Menschen und dem Land nicht ansatzweise erklären.
Ich konnte für ein Jahr der Mensch sein der ich will, ohne schräg angeschaut zu werden, weil ich was Neues ausprobiere, was Anderes sage, mich für neue Dinge interessiere. Losgelöst zu sein von all den Bildern die andere Leute von mir haben.
Es hat mich verändert und es kann keiner nachvollziehen und Amberg ist genauso einfach und öde wie immer, man sieht die gleichen Leute und trifft sich an den gleichen Orten. Es ist einfach unbegreiflich langweilig und kein Vergleich zu meinem lebhaften Leben zuvor. Ich war ständig umgeben von Trubel, Menschen die ich liebe und Tag für Tag neuen Erfahrungen, keine wichtigen Verpflichtungen und einer Arbeit die ich liebe, mit Leuten die ich liebe.
Es tut weh, dass ich all das verloren habe und trotzdem kann ich kaum glücklicher sein, dass ich diese Erfahrungen machen konnte und sie mit so einzigartigen Menschen teilen durfte, letztendlich werde ich alles in meinem Herzen für immer aufbewahren und in gewisser Weise am Leben erhalten.
Ich freue mich auf die kommenden Veränderungen und darauf, dass mein Leben irgendwann wieder ins rollen kommt. Nicht nur Zuhause sitzen und über das nachdenken, was ich verloren habe, sondern neue Dinge entdecken die mich begeistern, auch wenn es mit Sicherheit nie wieder so intensiv wird wie meine 365 Tage in Israel.

PS: ich habe sehr lange Zeit keinen Blogeintrag mehr verfasst. Ich war ziemlich beschäftigt damit meine letzte Zeit zu genießen und für meinen Aufnahmetest zu pauken, dass ich mich zu sehr darin verloren habe.

Packliste

So ich habe schon länger darüber nachgedacht kleine Packtipps für die neuen Volontäre zu verfassen, für die nächste Generation, weil es doch sehr schwer ist in einen Koffer Klamotten, Kosmetika,… für ein ganzes Jahr vorrausschauend zu packen. Gestern ist die erste Volontären regulär abgereist und das hat uns allen den baldigen Abschied noch ein Stück näher gebracht. In weniger als einem Monat muss auch ich mich verabschieden…

Von Beit Uri gestellt: Zahnbürsten, Zahnpasta, Einwegrasierer, Sprühdeo, ….

Als ich für mein Jahr gepackt habe, habe ich vorher unglaublich viel Geld ausgegeben, um mir ,,Arbeitsklamotten“ zu kaufen, dh. Schulterbedeckende T-shirts und lange Schlabberhosen.
Im nachhinein bereue ich diese Investition, weil ich dadurch kaum Sachen mitgenommen habe in denen ich mich hübsch oder einfach nur wohl fühle. Euer Leben hier besteht nicht nur aus Arbeit und dann will man sich doch nach der Arbeit auch noch umziehen und was schönes Tragen.
Aber Schlabberhosen KANN MAN NICHT ZU VIELE HABEN. Was eine gute Überlegung ist, für den Sommer sich Unterteile zu kaufen, die bis zum Knie reichen und sehr luftig locker sind damit man sie auf Arbeit tragen kann. Gerade am Anfang des Jahres hat man die Möglichkeit von den alten Voluntären Sachen zu übernehmen oder man von Kleiderspenden gestellt kriegt.

Wirklich ins Gewicht fallen tun allerdings Kosmetikprodukte. Nehmt euch auf jeden Fall Dinge mit die euch wichtig sind. Schminke werdet ihr tendenziell nicht brauchen im Alltag, also packt nicht zu viel ein. Nachgeschickt kann sowas immer noch. Packt gerne ein Shampoo vielleicht sogar 2, aber verschwendet nicht so viel daran, die alten Volos hinterlassen das gerne und klar ist es teuer zu kaufen (ca.  1l   5€), aber dann müsst ihr eben einmal diese Investition tätigen. Lieber nutzt ihr 1 freies Kilo für Dinge die ihr gerne mitnehmen wollt als für Shampoo.

IN ISRAEL GIBT ES AUCH EINEN WINTER! Ich konnte mir darunter selbst nichts genaues vorstellen, aber es kann echt richtig kalt werden besonders abends. Ihr braucht keine Winterjacke, eine Regenjacke ist absolut ausreichend, aber nehmt auf jeden Fall ein paar Pullover (2/3)und lange T-Shirts (3) mit (übernehmt auch welche von den alten Volos!!). Auch dicke Socken sind ein Muss!

Schuhe: Ihr werdet euch definitiv in Jerusalem ein paar Sandalen zu legen, aber nichts desto trotz solltet ihr mindestens ein paar Sandalen dabei haben, in denen ihr gut und lange laufen könnt ohne sich Blasen zu holen.
Statt teurer und schwerer Wanderschuhe, habe ich mir vor dem Jahr für 25€ ein Paar Sport Nikes gekauft und die sind einfach perfekt. Ich kann in denen super laufen, sie sind bequem und ich kann mit ihnen auch durch Wasser laufen was man auf jeden Fall tun wird in diesem Jahr. Zusätzlich solltet ihr ein paar geschlossene Schuhe haben, bei denen es nicht so dramatisch wäre sie mit Chlorflecken zu zieren.

Nehmt euch Schals und Hüte mit für den Sommer und denkt an Sonnenbrillen. Ich würde euch empfehlen mindestens 2, da doch mal ab und zu welche kaputt gehen ( Im Jerusalemer Schuck findet man aber günstig welche).

Badesachen: Nehmt euch mindestens 2 Bikinis mit aber KEINE Handtücher. Wir haben in unseren WGs unglaublich viele und wir kriegen auch immer wieder neue gestellt von Violetta.

Ein Rucksack ist auch notwendig, könnt ihr auch als Handgepäck mit ins Flugzeug nehmen. Er sollte nicht zu groß sein, sondern so ein Rucksack wo du deinen Schlafsack reinpacken kannst und ein paar Wechselklamotten. Am besten an den Seiten mit Platz für Trinkflaschen und idealer Weise sollte noch die Möglichkeit bestehen was außen am Rucksack festzumachen z.B. ein Zelt, Isomatte, oder eine Jacke.

Reise durch Israel

Vom 15. bis 26. Mai habe ich mir Urlaub genommen, denn meine Mum und mein kleiner Bruder haben mich gemeinsam mit ein paar Bekannten besucht.

  1. TAG: Getroffen habe ich mich mit meiner Familie vor den Toren eines Kibbuz, wo meine Besucher sich zwei kleine Apartments gemietet hatten. Gemeinsam sind wir dann nach Beit Uri gefahren, wo sie bei der Fahrt  schon die wunderschöne Aussicht genießen konnten, die man von unserem Givat hat. Für mich war es wirklich seltsam ihnen meine Welt hier zu zeigen, ihnen fremde Menschen vorzustellen, die sie nicht verstehen, denen aber schon längst mein Herz gehört. Bei einer kleinen Führung durch Beit Uri konnte ich ihnen die Anlage zeigen und hier und da trafen wir auch auf ein paar ganz aufgeregte Member, die sich auch alle über meinen Besuch zu freuen schienen. Leider war in meinem Haus kaum ein Member da, weil die meisten in der Musikstunde waren. Nach und nach konnte ich meiner Mama und meinem Bruder dann doch noch ein paar vorstellen und ihnen versuchen zu erklären was an jedem hier so besonders ist. Am Abend fand eine Veranstaltung statt für alle Mitarbeiter, die ich aber ausfallen ließ, um mit meinem Bruder gemeinsam für uns zu kochen. Während ich am kochen war, beschäftigte einer meiner Member die Gäste mit Armdrücken. Mein Bruder blieb dann direkt über Nacht, weil eigentlich ein Ausflug am nächsten Tag geplant war.
  2. TAG: Obwohl ich die Nacht kaum ein Auge zugemacht hatte und es mir dementsprechend nicht so gut ging musste ich um 6 anfangen zu arbeiten, was ich zum Glück grundsätzlich gerne mache. Allerdings ließ ich mich für den Volo Ausflug nach Jerusalem entschuldigen, um meinen Schlaf nachzuholen und mich auszukurieren. Es war so unglaublich heiß draußen, dass mein Bruder und ich es nicht aus der Wohnung geschafft haben, während meine Mum und ihre Freundin an den Kinneret gefahren sind, um sich dort abzukühlen.
  3. TAG: Zum Glück handelte es sich am Tag zuvor um den heißesten Tag des Urlaubs, weshalb wir relativ entspannt uns Akko und Haifa anschauen konnten. Beide Städte hatte ich auch schon zuvor besucht, die Sehenswürdigkeiten aber leider immer vor mir hergeschoben, weshalb es umso schöner war, die Bahai Gärten in Haifa und die Altstadt von Akko zu besichtigen. Am Ende des Sightseeings kühlten wir uns noch kurz im Meer ab. Nervenkitzel gab es zum Ende dann auch noch, als wir auf unserem Weg zurück feststellten, dass wir auf Reserve fahren und unbedingt eine Tankstelle finden müssen. Glücklicherweise haben wir auch bevor das Auto stehen geblieben ist eine gefunden und den Tank allerdings dann auch fast wieder verfahren, da wir eine falsche Abbiegung genommen hatten und durch kleine Gässchen von Nazareth fahren mussten.
  4. TAG: An diesem Tag sind wir wohl am frühesten aufgestanden, um noch vor dem Mittagessen im Café Galleria den Tag nutzen zu können und nach Gan HaSchlosha zu fahren. Gan HaSchlosha ist ein wuuuuunderschöner Naturpark bzw. Schwimmbad, wo kleine (und große) Fischchen einem an den Füßen knabbern, mit Wasserfällen und einem Flusslauf. Durch die viele Sonne und das Schwimmen waren wir alle ziemlich hungrig auf unser Mittagessen, viel erwartet hatte wohl keiner was (außer mir!), allerdings umso überraschter waren sie dann von der Vielfalt und schönen Ambiente unseres Cafés in Beit Uri. Gut gesättigt ging es dann nach einer kleinen Verdauungspause in das uns empfohlen wordene Dorf Daliyat el-Carmel, wobei die Autofahrt durch die Wälder drum herum das Highlight blieben.
  5. TAG: Früh ging es los hoch, ganz in den Norden Israels bis an den Fuß des Berges Hermon, wo der Banias Nationalpark liegt, die Quelle des Jordanflusses. Auch vor meiner Reise nach Israel hatte ich schon von diesem Nationalpark gehört, allerdings wurden meine (dementsprechend hohe) Erwartungen ziemlich enttäuscht. Die Wege waren super kurz und überfüllt mit Schulklassen und man durfte nicht einmal in das Wasser springen… Dafür war der Nachmittag wirklich schön. Stundenlang schlenderten wir – zum Entsetzen meines Bruder – durch die kleinen, alten Gässchen von Safed/Zefat, wo sich ein schnuckeliges Geschäft nach dem anderen reiht. Trotz vieler Besucher verlor die Altstadt nicht an Charme und wir konnten uns auch nicht von den Künstlerlädchen trennen bis mein Bruder angefangen hat zu nörgeln.
  6. ,7.,8.TAG: Mein Bruder verbrachte die komplette Zeit bei uns in Beit Uri, bis wir dann am 20. nach Jerusalem aufgebrochen sind. Dort mussten wir erst einmal unseren Leihwagen wieder abgeben, um dann mit Sack und Pack in die Altstadt zu unserem Hostel zu laufen. Sehr urig und wenig Luxus, aber meines Erachtens ausreichend für einen Aufenthalt für wenige Tage. Tagsüber waren wir meistens eh unterwegs durch die Altstadt, den Schuck (Mahane Yehuda Markt) oder Stadt-/Besichtigungstouren. Besonders beeindruckt hat mich der Shabbat Abend an der Klagemauer, wo leise gebetet und laut gesungen wurde und die vielen streng orthodoxen Juden waren einfach ein Bild für sich. Außerdem waren wir im Yad Vashem, ein Holocaust Museum und Memorial, was jeden von uns sehr erschüttert hat, besonders die Aufnahmen über den Todes Marsch und das Denkmal für verstorbene Kinder im Holocaust haben mich sehr mitgenommen.

    9. TAG: Geplant war die Weiterreise nach Dimona mit einem Zwischenstopp am Toten Meer, allerdings hatten wir einige Probleme mit der Autovermietung weshalb wir allein schon froh waren, dass wir es an dem Tag überhaupt zu unserer nächsten Unterkunft geschafft hatten. Die Negev Camel Ranch sollte ursprünglich uns für 2 Tage als Unterkunft dienen, hat uns aber direkt so gut gefallen, dass wir die restlichen 2 Nächte dort auch noch verbrachten. Jeweils zu 3. in einem kleinen Bungalow direkt neben knapp 40 Kamelen abseits der Zivilisation war ein ziemlich krasser Kontrast zu den vorherigen Tagen in Jerusalem.
    10. TAG: So verbrachten wir den ersten Tag tatsächlich nur mit faulenzen und einem 2 stündigen Kamelritt durch die nahe Umgebung, auf Routen die schon seit Jahrtausenden bestehen.

    11. TAG: Relativ früh ging es an diesem Tag los nach Mitzpe Ramon, bzw. den anliegenden Krater Machtesch Ramon. Zu allererst liefen wir etwas am Rande des Kraters entlang, um dann mit dem Auto den gesamten Krater zu durchqueren. Hier und da blieben wir für kleine Exkursionen stehen und haben so auch eine kleine Wasseroase (Überbleibsel der Regenzeit) gefunden. Ich hatte gehofft den sogenannten ,,Strand von Mitzpe“ noch zu sehen bevor alles vertrocknet ist und scheinbar war das Glück auf unserer Seite.


    12. TAG: An diesem Tag fuhren wir an das Tote Meer, was wir ja leider zuvor schon verschieben mussten und es war besser als erwartet. Der Strandabschnitt war absolut ok, das Wasser brühwarm, aber es gab immerhin Schattenplätze, Duschen und Umkleiden, was für einen kleinen Abstecher komplett ausreichend ist. Leider war das auch schon der Abschluss der Reise, denn am nächsten Tag ging es für mich nur noch an den Tel Aviver Busbahnhof und für meinen Besuch an den Flughafen.Ich hab mich unglaublich darauf gefreut meiner Mum meine Arbeit hier zu zeigen und noch so viel zu erleben und zu sehen und es war ein wunderschöner Urlaub. Auf meiner Fahrt zurück nach Afula war ich allerdings eher traurig gestimmt, hauptsächlich weil mir ihre Abreise meine so nah gebracht hat. 10 Wochen habe ich noch hier und noch so viel was ich machen will und sehen will und vorallem nur noch 10 Wochen mit meinen Freunden hier, sowohl Member als auch Kollegen die man so ins Herz geschlossen hat. Gerade ein Leben ohne die Member kann ich mir gar nicht mehr vorstellen und wird mir auch bestimmt sehr schwer fallen.

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Unsere Volo-WGs

So ich wollte diesen Eintrag hier schon seit Wochen und Monaten verfassen, da ich ja jetzt seit kurz vor Weihnachten in meinem eigentlichen Zimmer wohne.
Der Weg dahin war sehr schwer – nicht nur für mich sondern besonders für die Volos, die in der ,,Übergangs-WG“ untergebracht waren, da die Renovierung der Wohnung statt 2-4 Wochen letztendlich doch (ich will fast sagen NUR) 4 Monate gedauert hat.

Es war für mich persönlich schwer sich für die Wohnung einzusetzen ohne zwischen die Volo-WG-Fronten zugeraten, wenn nicht sogar unmöglich. Der Fakt, dass ich für die Vermittlung zwischen der Volontäre und dem Chef Beit Uris zuständig war hat die Sache nicht besonders erleichtert, aber es hat mich definitiv weiter gebracht. Anstatt wie ganz am Anfang zu motzen und zu schimpfen über den Zustand und die Arbeiter, fing ich an mit den Arbeitern zu reden und mir trotz mehrerer Termine (zu denen ich meist versetzt wurde) ein regelmäßiges Treffen mit dem Chef zu organisieren, um zwei Mal die Woche gemeinsam die Wohnung zu besprechen und uns auf Kompromisse zu einigen.
Immerhin hat unser Chef uns bei den 2 Ikeabesuchen dort Essen ausgegeben und konnte somit zumindest meine Stimmung gegenüber ihm retten🙂.

So sehr wie ich es auch feier, bei unseren momentanen Temperaturen von um die 30° auf dem Balkon zu chillen, so sehr nervt es mich auch, dass unsere Wände nass sind und die Wand bröckelt als auch die Wasserschäden in der Küche, im Bad, im Flur und das kaputte Waschbecken und das seit Tagen überlaufende Klo, das den Hausmeistern aber egal ist.
Trotz all dieser ,,kleinen“ Mängel und der ,,viel beschäftigten“ Hausmeister, muss man auf jeden Fall erwähnen wie privilegiert wir Volontäre in Beit Uri (besonders die der oberen WG) im Gegensatz zu anderen Volontären sind.

Pessach und mehr

Letze Woche war Pessach und damit auch einer der umständlichsten Feiertage der jüdischen Tradition. Vor Beginn der Pessachwoche musste das ganze Haus von Grund auf gereinigt werden, besonders die Küche, denn dort werden Getreideprodukte aufbewahrt und benutzt. Die ganze Woche durfte dann auch nichts dergleichen verzehrt werden, denn die Woche soll an den Auszug aus Ägypten erinnern, wo die Fliehenden keine Zeit hatten richtiges Brot zu backen. Der Brotersatz heißt Mazzen und erinnert mich sehr Knäckebrot. Keine Krümel dürfen in der Küche bleiben und so durfte ich eine knappe Stunde an unserem Ofen schrubben – was auch definitiv nötig war. In sehr religiösen Familien wird sogar das Geschirr weggeschmissen (oder zumindest wird ein neues in der Zeit benutzt) und auch in Beit Uri wurde alles alte Geschirr weggesperrt und besonderes Pessachgeschirr verwendet.
Für uns Voluntäre ändert sich in der Woche allerdings kaum etwas bezüglich des Brotverzehrs, denn die Volo-WGs müssen sich nicht an diese Regeln halten (solange die Produkte innerhalb der WG verzehrt werden), wobei ein so gründlicher Frühlingsputz definitiv nicht geschadet hätte.

Letztes Wochenende haben Gero und ich endlich einen unsere Trips geschafft (wobei wir uns auch weniger vorgenommen hatten)!! Wir sind Freitag Mittag los Richtung Kinneret, wo wir die Nacht verbringen wollten, durch Zufall sind wir auf Leute getroffen, die uns an den Kibbuz eigenen ,,Strand“ am Jordan geführt haben. Im ältesten Kibbuz Israels haben wir dann direkt am Fluss unser Zelt aufgebaut zwischen den ,,Wohnzimmern“ der Kibbuzbewohner. Leider mussten wir im Laufe des Abends feststellen, dass auf der anderen Seite des Flusses gegenüber von uns eine handvoll pubertierender Jugendlicher ihre (5000 Watt)  Bass machine aufgebaut haben und den auch bis auf die letzten Dezibel aufnutzten. Zusätzlich dazu sang einer davon konstant in ein Karaokemikrofon……..
Wäre die Musik wenigstens gut gewesen hätten wir über den Fakt sicher hinwegsehen können (,dass er nicht singen kann). Nachdem damit auch jegliche Konversation unterbunden wurde, mussten wir mit schmerzenden Ohren versuchen zu schlafen.

Ich liebe meine Arbeit hier sehr und kann mir auch nicht vorstellen, dass ich in wenigen Wochen, am 14.08. mein Leben ohne meine Freunde hier (Volos, Worker und Member) ordnen muss. Auch wenn ich versuche jeden Moment hier zu genießen – auf Arbeit und in meiner Freizeit – gibt es auch ab und zu schockierende Erlebnisse. So beispielsweise ein emotionaler Ausraster eines Members, der mich (zum Glück nur) 2 meiner T-shirts gekostet hat. Mit meiner erzieherischen Position, dem Wissen über meine Schützlinge und  unserer Zuneigung zu ihnen  ist es gar nicht möglich sauer auf sie zu sein (es würde es auch nur schlimmer machen) oder ihnen das persönlich zu nehmen.

 

Hier noch ein Bild aus meinem und Judys Zimmer und dem schönen Givat Hamore.

 

Purim

Soooo nun muss ich mir leider auch selber eingestehen, dass ich etwas verspätet dran bin. vorletztes Wochenende war PURIM!!
Purim ist quasi wie unser  Fasching: Verkleidungen, Tanzen und eine Menge Alkohol. Hier in Beit Uri wir natürlich der letzte Teil ausgelassen oder zumindest mit Traubensaft ersetzt.
Am Mittwoch Abend dem 23.03 veranstalteten die israelischen Voluntärinnen eine kleine Party für die fitteren Member wozu wir natürlich auch herzlich eingeladen wurden. Verkleidet und begleitet von einem Member lief ich zur Party auf, eine israelische Voluntärin machte den DJ – Keine normale Party könnte man mit dieser Eskalation vergleichen. Die folgenden 2 1/2 Stunden waren unglaublich lustig, Ausruhen gab es nicht, denn kaum dass man sich setzten wollte wurde man hochgezogen und weiter rumgewirbelt, sogar die sonst ruhigsten Bewohner tanzten mit uns. Am Ende wirbelten 3 Member sogar am Boden rum – so ausgelassen war die Stimmung, dass ich sogar meine saftige Erkältung vollkommen vergessen hatte, wobei es mich danach umso mehr umhaute.
Es war wirklich ein sehr epischer Abend in meinem Beit Uri Leben, selten habe ich so viel gelacht und dass soll weiß heißen!

Unausgeschlafen und noch erkälteter ging ich dann am nächsten Tag zur Arbeit. Fehlen wollte ich zu der großen Purimparty natürlich nicht, nach dem Frühstück wurden alle Member (und auch wir Worker) in unsere Kostüme gepackt und geschminkt – unser Haus hatte dieses Jahr das Motto ,,Diener“. Klingt erst mal recht unspektakulär, aber fast jedes Haus hatte eine Figur aus der Purimgeschichte, welche dann in der großen Aula aufgeführt wurde. Ich habe eine lustige Veranstaltung erwartet, aber das was tatsächlich stattfand hat alles übertroffen. Jeder Member und alle Mitarbeiter hatten die Möglichkeit sich zu beteiligen und an dem Tohuwabohu teilzunehmen. Ich für meinen Teil habe das Geschehen genossen und versucht so viel wie möglich davon festzuhalten.

Purimgeschichte : https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6nigin_Ester


Die meisten Voluntäre haben dann für das Wochenende und die restlichen Purimstage unsere Einrichtung verlassen, um in Tel Aviv und/oder Jerusalem zu feiern, allerdings musste ich (wieder) zuhause bleiben, um wieder (einigermaßen) gesund zu werden.

223 Tage

Nun ist es ja doch schon eine ganze Weile her, dass es spannende, neue Dinge zu berichten gab. Alles ist so Alltag geworden: meine Arbeit, kleine Reisen, Vorbereitung auf Feste, …
Trotzdem kribbelt es mir seit längerem wieder in den Fingern.
Vor kurzem haben meine zwei Zwischenseminare stattgefunden und konnten einiges in uns bewegen und uns zum Nachdenken anregen.
Den Anfang machte das  Tamli Seminar – 3 Tage mit unserer ganzen Gruppe deutscher Voluntäre in Beit Uri. Den ersten Tag sind wir gemeinsam in den Nationalpark Ein Gedi und ans Tote Meer gefahren, was sehr anstrengend war aber auch ein super Einstieg in ein entspanntes Seminar.
Die darauffolgenden Tage befassten wir uns mit unserer Arbeit in der Einrichtung, das Sammeln neuer Energie für unsere Projekte und (was mir sehr wichtig war) die Gruppendynamik, welche unter der räumlichen Trennung der 2 Volo-WGs doch sehr gelitten hatte. Und Dank des Seminars haben wir es nun doch endlich geschafft einen festen Tag für ein gemeinsames Abendessen in der Woche festzulegen und zumindest bisher kann ich für meinen Teil schon kleine Erfolge sichten bezüglich des Austauschs zwischen den WGs. Was für mich auch sehr hilfreich war, war die Erstellung einer Stimmungskurve über unsere Monate in Israel, was uns geprägt und bewegt hat.
Obwohl das Seminar unser ganzes Wochenende eingenommen hatte, fand ich es sehr schön und auch nicht zu viel zwischen zwei Arbeitswochen. Abends gemeinsam kochen, quatschen und Shisha rauchen konnte die Seminartage immer gut ausgleichen.

Ein krasser Kontrast war dann doch das ,,Freunde-Seminar“, (Das Seminar durch meine Endsendeorganisation) welches eine Woche später in einem wunderschönen Kibbuz am See Genezareth stattfand. Bis auf zwei fehlende Voluntäre war es die gleiche Gruppe wie auf meinem Vorbereitungsseminar, was ein Grund war sich noch mehr auf die 5 Tage zu freuen. Die erste Nacht war ein spannendes Erlebnis für jeden von uns. Die Aufgabe bestand darin sich alleine einen Platz in der Natur außerhalb des Kibbuz zu suchen und die Nacht dort ohne Handy(/-empfang) zu verbringen. Sau geil – dachte ich mir. Aber als ich dann gemeinsam mit Ronja auf die Suche nach einem schönen Plätzchen im Dunkeln die Berge hochgeklettert bin und wir bei spätestens jedem dritten Schritt stolperten schwand dann doch die erste Euphorie. Da der Wind ziemlich stark war entschied ich mir für einen Schlafplatz zwischen ein paar Felsbrocken, die mir einen guten Windschutz bieten sollten. Der Boden war leider schräg und ich musste mich mit dem Knie an einen Stein im Boden festhaken um nicht das Gefühl zu haben zu rutschen. Fast auf der Spitze meines Berges konnte ich über den Kibbuz, den Kineret und Tiberias schauen, was nachts mit all den kleinen Lichtern ein unglaublich schönes Bild war. Erwartet hatten wir alle große Gedanken, welche allerdings ausgeblieben sind – Trotzdem war es sehr schön eine Zeit lang nur mit sich zu verbringen und Momente, Bilder und Gedanken ungestört aufnehmen  zu können. Ein paar meiner Gedanken hielt ich in meinem kleinen Israel-Buch fest, doch das Licht lockte letztendlich lauter Insekten an, wovon ich auch nicht all zu sehr begeistert war. Eingekuschelt in meinem Schlafsack konnte ich so viele Sterne sehen, bis ich langsam einschlief…………. Keine zwei Stunden später wache ich auf – ES IST SOOO KALT! Die Steine bieten keinen Windschutz, im Gegenteil es schien mir fast so als würden sie ihn sogar gebündelt durch meinen Schlafsack jagen. Also suchte ich aus meinem Rucksack den Innenschlafsack und versuchte mich winddicht zu verpacken, doch trotz meiner Mühen wachte ich in knapp zwei Stunden nochmals auf, da der Wind meinen Schlafsack zu einem Zepelin aufblies. Es war 4 Uhr morgens und ich wollte auch auf gar keinen Fall aufgeben und frühzeitig in den Kibbuz zurückkehren. Also verbrachte die nächsten 1 1/2 Stunden frierend in meinem Sommerschlafsack, um dann alles zusammenzupacken und mich auf die Suche nach Ronja zu machen, da wir gemeinsam auch wieder runter laufen wollten. Allerdings blieb meine Suche vergeblich und ich machte mich auf den Weg(/stolperte) zurück in den Kibbuz. Total ausgelaugt von zu wenig Schlaf, Frieren und Unlustigsein saß ich dann noch ca. 30 Minuten vor unserem verschlossenen Zimmer bis ein paar der anderen Voluntäre zu mir stießen. Wir nutzten die Zeit, die wir noch hatten bis das Seminar wieder anfängt, um noch schnell in das eiskalte Wasser des Kinerets zu springen.
Das Seminar war sehr schön und abwechslungsreich, besonders weil wir sehr viel künstlerisch darstellen durften und es viel Gruppenarbeit gab. Besonders gut hat mir auch noch der Dozent gefallen der über die politische Situation in Israel gesprochen hatte.

 

Es ist so schockierend wie viel Zeit schon vergangen ist seit dem Moment als ich mich mit ein paar Tränchen in den Augen am Securitycheck von meiner Mama verabschieden musste und mit meinem ganzen Leben in einem Koffer auf ins Ungewisse bin.
Ich habe so viele neue Dinge und Menschen kennen lernen dürfen, die ich auch nicht mehr missen will. Die Mentalität hier wird mir zurück in der kalten Heimat wahrscheinlich extrem fehlen (neben den Palmen, der Sonne, dem Strand und meiner Arbeit). Man schließt so viele Menschen in sein Herz und ich kann mir gar nicht mehr vorstellen wie langweilig das Leben gewesen sein muss, wenn man nicht mit Erres  oder Dewid zusammenarbeitet. Sein Leben einfach leben zu können ohne einen besonderen Druck seis Schule oder Universität ist einfach soooooooooooo erfüllend, aber woher soll man vorher auch wissen, wie glücklich es einen machen kann abends am Kineret zu pinkeln..🙂